Gisela Waligora  "berührungen"       



juli
benommenhei
t

der garten ist
in sein grün versunken

es gehen winde umher
in den silberpappeln und weiden

der sommer lehnt
unter dem baldachin
trunkener rosen

die turteltaube ruft
wie der muezzin

der rittersporn
baut seine fernblauen
minarette auf sie stehn

in meinem märkischen
abendland wundersam




im gras
liegend


es entgeht
einem vieles

beim aufrechtgehn

was sich in
hohen höhen
abspielt die

scheinbar
schwerfälligen
bewegungen
der gestirne

wie es heißt
nach gesetzen

wie ich glaube
nach einer
unhörbaren musik

die vielleicht
amadeus wahrnahm

hölderlin

oder chagall

meere
verflüchtigen
sich werden zu
luftgeistern

weißen rössern
bräutlichen
gestalten

wälder
treiben hinaus
in den weltraum

wolken
zwischen den
zähnen

das siebengestirn

oder die
sieben geißlein

ich bin
der gute hirte
aus dem
bilderbuch

hüte das
kosmopoliten
gewimmel

ohne den
kleinen finger
zu rühren



lebensart

es ist ein privileg
allein zu sein
wenn das herz
gleichmäßig schlägt

die stille
ein fluss ist
in dem man treibt

chopin hört

lichter
unter sich in der
stadt sieht

bücher um sich
voller gedanken
gleichgesinnter

und dann die nebeltage

man geht
durch straßen

durch den
herbstlichen park
wie durch
bildergalerien

kehrt heim
mit einer dahlie
einem roten
feingeäderten blatt
das einem
zu füßen lag

fühlt sich
dem nah
den man verloren
und nicht
verloren hat

bis man sich
eines tages
selbst verliert