Gisela Waligora  "die spaziergängerin von F."       

und die freuden des altertums



mein erdstern

dreht sich
turnt turtelt
macht
was er will

atmet sommer
zur zeit
da wo ich bin
lächelt der sonne zu
mit seinen
auen wäldern
mäandernden wegen

am abend
flötet die amsel
sich die seele
aus dem leib

ich ihre schwester
im geiste
schlüpfe ins
federkleid
verwandle mich
ihm zuliebe

er erkennt
mich nicht
hört
mir nicht zu



die freuden
des altertums

bei ausreichender
versorgung
mit sauerstoff
blendwerk
der himmel

ausnehmend schön
der vorgang
vergänglichkeit
das aufwerfen
die faltung von
wolkenformationen
schneegebirgen
in denen
herumzusteigen
herausforderung
sein müsste
für jeden
alpinisten

besehe mir
notgedrungen
die bergstöcke
von unten
bevor sie sich
stillschweigend
davonmachen
aus dem leim gehen
ein paläo zoikum
perdu im

handumdrehen
werde nicht müde
derartiges
spectaculum
aufzunehmen
wenn mir auch
gelegentlich
das herz stehn
bleibt die augen
zufallen ganz

der liebe herr
sowieso
habe ich
das universum
verinnerlicht
halte die hände
im schoß am
siebten tag pflege
demon
strativ der ruhe



september
der noch einmal
für mich da ist

der sich darstellt
mit der archaischen
kindersonne auf
vergilbenden kartonagen
den milden angeheiterten
wehmutsgefilden
himmel und erde
nicht mehr
auseinanderzuhalten

die geöffneten
gartenkolonien mit
ihren taubenetzten
renetten
windharfengräsern
astern georginen
schnabulierenden
drosseln kreiseln treiben
als inseln der seligen
auf schaumgekrönten
oberflächen etlicher
dieser tage unter odysseus
blendenden segeln

in den nächten mit
händen voll
silberstücken
beworfen
karfunkelsteinen

atemberaubender
schöpfungen
unter denen mir
die sinne vergehen
das betörende
leben hingeht