Werner Weiß  "Natur-Tagebuch Frankfurt Oder)"


Werner Weiß, Jahrgang 1940 ist in Neuhardenberg aufgewachsen. Nach Abitur und Studium war er von 1962 bis 1975 Lehrer für Biologie an der Schule in Booßen.
In den Jahren danach leitete er die Station Junger Techniker und Naturforscher, eine staatliche Schülerfreizeiteinrichtung, in Frankfurt (Oder) und arbeitete ab 1992 im Landesumweltamt in der Abteilung Naturschutz.
Seit vielen Jahren ist Werner Weiß ehrenamtlich im Naturschutz tätig und beschäftigt sich mit Naturfotografie. Seit seiner Pensionierung befasst er sich mit einem Buchprojekt über naturkundlich interessante Gebiete auf dem Territorium von Frankfurt (Oder). Detailliert und fachkundig beschreibt er seine Naturbeobachtungen und illustriert diese durch zahlreiche Fotos.



Natur-Tagebuch Teil II:Umgebung von Frankfurt (Oder)

Natur-Tagebuch Teil IIII: Im Oderland


Werner Weiß präsentiert das Naturtagebuch Frankfurt (Oder)
Präsentation der 1. Auflage 2006
Foto: Nabu
Naturtagebuch Frankfurt (Oder)



Werner Weiß: Naturtagebuch Teli I Frankfurt (Oder). 2. überarbeitete Auflage. Format 21 x 29,7 cm, Festeinband, 200 Seiten mit mehr als 500 farbigen Naturfotos und einer Karte der Natur- und Landschaftsschutzgebiete des Stadtkreises Frankfurt (Oder)
ISBN 978-3-939960-00-3 Preis: 19,80 Euro
Buchpräsentation der 1. Auflage
aus dem Inhalt
Presseecho











"Seit mehr als 40 Jahren wohne ich in Frankfurt (Oder) und bin unzählige Male in der Umgebung der Stadt unterwegs gewesen, zu allen Jahreszeiten, zu allen Tageszeiten, bei (fast) jedem Wetter.
Geblieben sind neben sehr vielen schönen persönlichen Erinnerungen auch ein Karton voller Tagebücher sowie einige Tausend Farbdias mit Landschafts-, Pflanzen- und Tiermotiven aus dem Beobachtungsgebiet.

Insbesondere die Bilder von Vögeln am Brutplatz wurden in den Jahren 1964 bis 1975 unter den damals in der DDR geltenden rechtliche Rahmenbedingungen aufgenommen.
Heute werden für Fotoarbeiten an Vogelbrutplätzen – berechtigterweise! – durch die Naturschutzgesetzgebung Grenzen gesetzt, die wir natürlich respektieren.

Zunächst wage ich die schwer zu beweisende und schwer zu widerlegende Behauptung, dass in Deutschland wohl wenige Städte in unmittelbarer Nähe – sagen wir, vom Stadtzentrum mit dem Fahrrad in einer halben Stunde erreichbar – eine so vielgestaltige Naturausstattung aufweisen.
In Frankfurt (Oder) brüten regelmäßig Adler und Kraniche, gelegentlich auch der Schwarzstorch; hier leben Biber und Otter; hier gibt es ein aktuelles Vorkommen der bei uns fast ausgestorbenen Europäischen Sumpfschildkröte; hier lebt der Eremit (Juchtenkäfer), eine europaweit prioritär geschützte Tierart; hier blühen im Frühling Tausende wilder Orchideen ...

Der Inhalt ist nicht fein säuberlich nach Tier- und Pflanzengruppen geordnet. Es geht vielmehr "alles ziemlich durcheinander", und zwar so, wie es die Natur vorgibt, und wie es sich in meinen Tagebuchaufzeichnungen wieder findet.
Wer hätte je ein Gebiet kennen gelernt, in dem Insekten, Gräser, Vögel usw. räumlich oder zeitlich voneinander getrennt vorkommen?

Das charakteristische Arteninventar z.B. von Feuchtwiesen, Flussufern, Trockenrasen, Kleingewässern, Auwäldern und anderen hier vorgestellten Lebensräumen findet sich natürlich nicht nur an den entsprechenden Standorten in Frankfurt (Oder).

Das "Natur-Tagebuch" ist kein Fachbuch für ausgewiesene Spezialisten. Vielmehr möge das Buch allen Bürgern, die Interesse an der heimatlichen Natur bekunden und die regelmäßig oder auch nur gelegentlich mit offenen Augen durch Wald und Flur streifen, hilfreich sein."
Werner Weiß






aus dem Inhalt

Die Oder bei Frankfurt
Die Oderaue nördlich der Stadt – Die Oderwiesen als Rastgebiet für Vögel Brutvögel der Oderwiesen – Das Schilf und seine Bewohner – Kranich und Graugans – Die Rohrweihe Artenreiche Wiesen – Beobachtungen des Vogelzuges – Weiden in der Oderaue – Hornissen – Vegetation des neuen Oderdeiches – Kleingewässer Pflanzen am Ufer – Wasserschnecken und Muscheln – Stromtalpflanzen – Der Halbmeilenwerder

Die Insel Ziegenwerder
"Europagarten 2003" – Nebelkrähen und Waldohreulen

Die Oderwiesen südlich der Stadt
Vom Eichwald bis zur Steilen Wand – Der Aronstab – Neophyten – Erdkröten und Grasfrösche – Brutvögel

Der Brieskower Toppel
Der Hartholzauenwald – Kolkraben – Weichholzaue, Wiesen und Kleingewässer – Das kurze Leben einer Sandbank

Fauler See und Markendorfer Wald
Was Federn verraten – Offenflächen mit Sandtrockenrasen – Gewässer und Moore

Orchideenwiese im Klingetal

Das Heleneseegebiet – Eine Bergbau-Folgelandschaft

Güldendorfer Mühlental und Märkischer Naturgarten

Die Biegener Hellen

Das Booßener Teichgebiet
Der Eisvogel – Frühblüher – Wasservögel – Brutvögel der offenen Flächen – Hochstaudenflur im Wiesengrund – Sandtrockenrasen – Leben im Wasser – Der Biber – Am Schlafplatz der Stare

Feld und Flur
Rebhuhn und Fasan – Feldhase – Kartoffelkäfer – An einem Feldweg bei Lichtenberg – Insekten als Bewohner einer Feldhecke – Tiere als Verkehrsopfer – Die alte Eiche bei Rosengarten

Der Frankfurter Stadtwald
Eichen-Hainbuchenwald – Rotbuchenwald – Kiefernwald – Das Quellgebiet des Goldenen Fließes – Ein Jagdtag im Stadtwald – Moose des Waldes – Pilze

Das Stadtgebiet Frankfurt (Oder)
Wintergäste in der Stadt: Seidenschwänze – Saatkrähen – Laubbäume im Winter – Bestimmung von Schneckengehäusen – Das Fledermausquartier – Haussperling – Mauersegler – Wildtauben – Elster – Amsel – Weißstorch – Rauchschwalbe – Haubenlerche – Gehölze im Stadtpark – Insekten in der Stadt – Pflanzen in Pflasterritzen



Fauler See und Markendorfer Wald (Auszüge und einige Fotos)
Der Faule See sowie der sich nach Westen anschließende Markendorfer Wald befinden sich westlich des Ortsteils Güldendorf und schon jenseits der nach Eisenhüttenstadt führenden Straße B 112.

Trotz der Nähe zur Bundesstraße ist der Faule See abgelegen und nur über eine holprige Pflasterstraße und dann über einen unbefestigten Weg erreichbar. Daher finden nur wenige Angler und Spaziergänger den Weg dorthin.

Es gibt in diesem Wald ausgedehnte Freiflächen auf sandigem Boden, die auf die langjährige Nutzung als militärisches Übungsgelände zurück gehen.

Der Markendorfer Wkald selbst ist ein Wald, der nicht vom Menschen gepflanzt wurde. Jahrzehntelange Absperrung des Gebietes aus militärischen Gründen ermöglichte eine spontane Waldentwiclung. Derartige naturnahe Wälder sind in unserem Land eine Ausnahme.


Tiere im Markendorfer Wald
Einen naturnahen und abwechslungsreichen Wald bewohnen natürlich auch größere Tiere. Aber sie sind scheu und meist nachtaktiv, so dass Beobachtungen eher zufällig gelingen.

Auf einer der Freiflächen am Rande des Markendorfer Waldes begegnete mir ein Fuchs. Er bewegte sich in meine Richtung. Ich blieb stehen und duckte mich tief. Plötzlich verharrte auch der Fuchs. Er hatte mich bemerkt, konnte mich aber nicht als Mensch identifizieren, und er konnte mich auch nicht wittern. Längere Zeit stand der Fuchs still und blickte zu mir herüber. Ich rührte mich nicht. Schließlich begann er ärgerlich zu bellen. Auch das half nichts.

Würde der Fuchs nun näher kommen, um zu sehen, wer oder was dort auf seinem Weg lag?
Nein, dazu war er viel zu vorsichtig. Er schlug einen großen Bogen und lief so weit, dass er schließlich meine Witterung aufnehmen konnte. Dann wusste er Bescheid und verschwand augenblicklich.
Der Fuchs hat etwas bemerkt

Natürlich lässt sich das Wild auch anhand von Fährten in einem Revier bestätigen. Hirsche sind Paarhufer, sie hinterlassen zwei nebeneinander liegende Hufabdrücke. Die Fährten anderer heimischer Paarhufer, der Rehe und Wildschweine, unterscheiden sich in der Größe und Form der Abdrücke.

Leider sind Spuren sehr vergängliche Gebilde. Mit einer der Kriminaltechnik entlehnten Methode lassen sie sich haltbar machen und sogar mit nach Hause nehmen. Man verrührt an Ort und Stelle etwas Gipspulver mit einer entsprechenden Menge Wasser und gießt den Fußabdruck mit diesem Gipsbrei aus. Nach kurzer Zeit ist die Masse ausgehärtet und kann (vorsichtig!) entnommen und später gereinigt werden.
Trittsiegel eines Hirsches

Ein ziemlich großes Tier hat dem jungen Baum einen bleibenden Schaden zugefügt. Der Täter war ein Rothirsch.
An einer jungen Kiefer ist die Rinde abgeschält worden



Was Federn verraten
Mitten im Markendorfer Wald fand ich unter einem Gebüsch einen ganzen Haufen Federn. Sie waren recht groß, teilweise fast 30 Zentimeter lang, und sie stammten offensichtlich alle von demselben Vogel.
Solche Ansammlungen vieler Federn, die man gar nicht so selten findet, nennt man "Rupfungen". Hier hatte "jemand" einen Vogel erbeutet und ihm dann vor dem Verspeisen alle Federn ausgerupft.

Von der Rupfung im Markendorfer Wald sammelte ich alle großen Federn auf und legte sie so auf den Waldboden, wie sie einst am lebenden Vogel "befestigt" waren. Recht gut lassen sich dann Schwanz- und Flügelfedern unterscheiden
Man kann an den Federn mit ziemlicher Sicherheit den gerupften Vogel bestimmen.

Im vorliegenden Fall wiesen Größe, Form und Färbung der Federn auf einen Wespenbussard hin, und zwar auf einen diesjährigen Jungvogel, der schon fliegen konnte. Aber wer war der Täter? Zunächst kamen Raubtiere in Frage. Vielleicht war der junge Wespenbussard, noch ungeschickt im Fliegen, am Waldboden gelandet, wo ihn z.B. ein Fuchs überwältigen konnte.

Die Rupfung verriet aber, dass der Fuchs in diesem Fall unschuldig war, denn er hätte die langen Federn an Schwanz und Flügeln abgebissen, so dass den Federkielen die Spitzen fehlen müssten. Dies war aber nicht der Fall.
Die Bearbeitung des Beutetieres sprach eindeutig für den Habicht. Ein starkes Habichtweibchen (die Männchen sind etwa ein Drittel kleiner und begnügen sich mit entsprechend kleineren Beutetieren) nutzte die Unerfahrenheit des jungen Wespenbussards und kam zu einer reichlichen Mahlzeit.

Unser Interesse an Vogelfedern sollte sich nicht nur auf Rupfungen beschränken, sondern auch Einzelfedern (Mauserfedern) einschließen. Besonders nach Beendigung der Brutzeit verlieren die Vögel ihre Federn. Sie mausern. Dieser Federwechsel ist für alle Vögel sehr wichtig. Wir tragen ja auch im Winter keine Sommerkleidung.
Viele Vögel haben sehr charakteristische Federn, die sich durch eine bestimmte Größe, Form und Färbung auszeichnen. Oft genügt schon eine einzelne Mauserfeder zur Artbestimmung.
Schwanzfedern


Offenflächen mit Sandtrockenrasen
Der nördlich des Faulen Sees in westliche Richtung verlaufende Fahrweg quert zunächst eine offene Landschaft, bevor wieder der Wald beginnt. Dort war bis 1990 der Nutzungsdruck durch Militärfahrzeuge so stark, dass die aufkommenden Sträucher und Bäume immer wieder zurück gedrängt wurden. Seither sind etwa 15 Jahre vergangen, in denen die Natur sich selbst überlassen blieb. Nun beginnt auch dort die Waldentwicklung.

Auf diesen ausgedehnten, noch weitgehend gehölzfreien Flächen scheint die Sonne von früh bis spät auf den sandigen, trockenen Boden und heizt ihn auf. Jeder Regen versickert in kurzer Zeit. Ungebremst streicht der Wind über die Flächen und trocknet den Boden aus. Die spärliche Vegetation dieser Flächen nennt man "Sandtrockenrasen".
Nur ganz bestimmte Pflanzenarten ertragen diese extremen Umweltbedingungen. Sie sind meist nicht besonders groß und sie stehen auch nicht sehr dicht, so dass der erste Eindruck von einem Sandtrockenrasen oft enttäuschend ist.

Werden die Bodeneigenschaften verbessert, dann unterliegen die typischen Trockenrasenarten schnell der Konkurrenz anderer Pflanzen. Daher sind ihre Vorkommen von besonderem Wert. Es gibt sie nämlich nur noch begrenzt. Trockenrasenstandorte (Ödland) wurden bevorzugt bebaut, als Lagerflächen genutzt oder mittels Düngung und Bewässerung in leistungsfähigere Agrarflächen umgewandelt.
Sandtrockenrasen gehören in Brandenburg und darüber hinaus in ganz Deutschland zu den gesetzlich geschützten Lebensräumen (Biotopen). Die Frage, ob ein Biotop gesetzlich geschützt ist, wird ausschließlich durch die vorhandene Artenausstattung bestimmt.
Silbergras und Kleines Habichtskraut

Fast alle Arten von Sandtrockenrasen sind recht klein und z.B. durch reduzierte Blattflächen gegen Verdunstung geschützt.
Eine dieser anspruchslosen Trockenrasenpflanzen ist die Sand-Segge. Sie breitet sich durch unterirdische Rhizome aus, von denen in regelmäßigen Abständen Sprosse an die Bodenoberfläche geschoben werden. Es entsteht der Eindruck, als wären die Pflanzen in gleichmäßigen Abständen und in einer Linie gepflanzt worden.
Sand-Segge

Das Vorkommen zahlreicher weiterer Arten auf der gleichen Fläche ist eine normale Erscheinung. Es gibt nämlich sehr viele Pflanzen, die sich durch eine große Anpassungsfähigkeit auszeichnen und mit unterschiedlichen Umweltbedingungen zurecht kommen.
So besiedeln Hasen-Klee, Acker-Schmalwand und Graukresse auch Brachäcker, Jakobs-Greiskraut und Natternkopf gedeihen auch auf Schuttplätzen, Spitz-Wegerich und Rispen-Ampfer können auf Wiesen stehen. Solche Pflanzenarten, die in verschiedenen Pflanzengesellschaften gefunden werden, besitzen keinen besonderen Zeigerwert.

Insgesamt ist die Anzahl der Pflanzenarten auf den Trockenrasenflächen viel größer, als es bei flüchtiger Betrachtung scheint. Um einen Überblick zu erhalten, muss man das Gebiet zu verschiedenen Jahreszeiten aufsuchen, denn die Blühzeiten der einzelnen Arten reichen vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst.

Zur umfassenden Bewertung eines Biotops gehören auch Angaben zur Fauna. Spezielle Untersuchungen wurden auf den Trockenrasen im Markendorfer Wald noch nicht durchgeführt.

Am Boden, in der niedrigen Vegetation versteckt, bauen einige Vogelarten ihre Nester. Heidelerchen, Gold- und Grauammern sind zu nennen, aber auch der unscheinbare Baumpieper.
Brütender Baumpieper

Besonders zahlreich sind Kleintiere vertreten. An vegetationsfreien Stellen ist der Boden mit gleichmäßig geformten Trichtern unterschiedlicher Größe übersät. Es sind raffiniert angelegte Fallen.
Unter jedem Trichter lauert ein "Ameisenlöwe"

Wenn eine Ameise in einen der Sandtrichter fällt, ist sie gefangen, da der Sand unter ihren Beinen immer wieder nachrutscht. Die Beute wird nach unten gezogen und ausgesaugt.
Ameisenlöwen sind die Larven der Ameisenjungfern. Sie ähneln im Aussehen kleinen Libellen.

In großer Zahl sind hier Heideschnecken zu finden. Sie besitzen ein flaches, weißliches Gehäuse, das mit dunklen Bändern verziert ist.
Eigentlich erwarten wir auf dem Trockenrasen keine Schnecken, denn diese Tiere leben doch normalerweise an kühlen, feuchten Stellen.
Wie haben es die Heideschnecken geschafft, den Trockenrasenstandort zu erobern? Nun, tagsüber hängen sie unbeweglich hoch an Halmen und Stängeln, möglichst weit entfernt von dem heißen Boden. Und ein leichter Windzug weht dort auch.

Wenn die Nacht Kühlung bringt und sich der in der Luft enthaltene Wasserdampf als Tau an den Pflanzen niederschlägt, und natürlich auch an regnerischen Tagen steigen die Heideschnecken herab und gehen einer ganz normalen Schnecken-Lebensweise nach. Bevor am nächsten Morgen die Sonne den Boden aufheizt, begeben sie sich mit dem ihnen eigenen "Schneckentempo" wieder in ihr luftiges Tagesquartier.
Heideschnecken an ihrem Tagesruheplatz

An der Zypressen-Wolfsmilch findet man bei gezielter Suche große bunte Raupen, die am hinteren Körperende ein merkwürdiges "Horn" tragen. Es sind die Larven des Wolfsmilchschwärmers.
Larve des Wolfsmilchschwärmers

Die Blauflügligen Ödlandschrecken sind durch ihre graue Färbung bestens an die Umgebung angepasst und, zwischen trockenem Gras oder auf dem Sandboden sitzend, fast unsichtbar. Nur im Fluge blitzt das Blau ihrer Hinterflügel kurz auf.
Aus dem warmen Sand auf dem Weg fliegen Sandlaufkäfer auf und landen nach einigen Metern wieder. Sie sind so schnell, dass man sie für größere Fliegen halten könnte.
Sandlaufkäfer mit Beute

Gegenwärtig ist auf der Freiflächen im Markendorfer Wald eine überaus spannende Entwicklung zu beobachten. Wenn der Mensch nicht eingreift, wird der Wald von allen jetzt noch offenen Flächen Besitz ergreifen.
Eine solche Entwicklung hat natürlich weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Lebensgemeinschaft. Im Wald wird für die typischen Trockenrasenpflanzen kein Platz mehr sein, und auch die hier vorgestellten Tiere, also Baumpieper, Ameisenlöwen, Heideschnecken, Wolfsmilchschwärmer, Ödlandschrecken und Sandlaufkäfer wird man dort vergeblich suchen.


Gewässer und Moore

Der östliche Teil des Faules Sees
In Ost-West-Richtung durchzieht eine eiszeitliche Schmelzwasserrinne den Markendorfer Wald. An den tiefsten Stellen befinden sich drei Feuchtgebiete. Es sind der Faule See, die Kranichkuten und Gieses Luch (ehemalige Torfstiche).
Der Faule See ist das größte dieser Feuchtgebiete. Er nimmt eine Fläche von ca. 4 Hektar ein.

Ausgedehnte Verlandungsbereiche gliedern den See in mehrere Teilflächen. Wo die Verlandung weit fortgeschritten ist, wachsen bereits Erlen und Birken. Im Randbereich stehen Strauchweiden. Zum Wasser hin folgen Rohrkolben und schließlich – schon im Wasser – die See- und Teichrosen. Dies ist eine typische Abfolge der Vegetation an verlandenden Gewässern.

Die Verlandung ist ein natürlicher Vorgang, dem alle während der letzten Eiszeit entstandenen Seen ausgesetzt sind. Im Wasser lebende Pflanzen und Tiere sinken, wenn sie abgestorben sind, auf den Seegrund. Schwimmblattgewächse und Uferpflanzen, wie Schilf und Rohrkolben, fallen ins Wasser. In jedem Herbst trägt der Wind unzählige Blätter in den See. Am Ufer stehende Bäume stürzen irgendwann um. Durch diese beständigen Ablagerungen hebt sich der Seegrund im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden immer mehr, und irgendwann reicht die Schlammschicht bis zur Oberfläche.
Seen im Zustand fortgeschrittener Verlandung sind besonders nährstoffreich, Voraussetzung für ein üppiges Pflanzen- und Tierleben im und am Wasser.

Aus botanischer Sicht ist der Faule See einschließlich seiner Uferzonen sehr interessant und lohnt eine nähere Betrachtung. Zunächst fallen natürlich die See- und Teichrosen auf, die größere Teile der feien Wasserfläche bedecken.
Im Mai leuchten an Flachwasserstellen die weißen Blüten der Wasserfeder. Die Pflanze wächst unteretaucht. Nur ihre Blütenstände erheben sich über die Wasseroberfläche.
Die Wasserfeder blüht

Westlich des Faulen Sees liegen in einem steilwandigen, engen Talkessel die "Kranichkuten" mit einer Flächengröße von ca. einem Hektar. Die Bezeichnung "Kranichkuten" lässt kleine, mit Vegetation durchsetzte Gewässer vermuten, in denen u.a. Kraniche heimisch waren. In älteren Karten sind diese Wasserflächen eingezeichnet.
Am Rande des Gebietes erkennt man noch Mauerreste, und es finden sich alte Linden, Flieder, Schneebeeren und Kleines Immergrün, also Pflanzenarten, die als typische Begleiter menschlicher Siedlungen gelten.

Inzwischen sind die Kranichkuten vollständig verlandet, und auch an den tiefsten Stellen ist kein Wasser mehr vorhanden. Die Fläche ist dicht mit Weiden und Erlen bewachsen. Umgestürzte Bäume erschweren eine Durchquerung des Gebietes.
Verblieben sind einige kleine Schlammlöcher, in denen sich die Wildschweine suhlen.

Noch weiter westlich und nahe der Eisenbahntrasse liegt ein kleines, ca. ein Hektar großes Kesselmoor, "Gieses Luch" genannt. Es ist weitgehend zugewachsen und schwer auffindbar. Im Ergebnis einer vor wenigen Jahrzehnten erfolgten Torfentnahme sind dort mehrere kleinere Wasserflächen vorhanden.
Moorfrosch

Bei der weiteren Suche finde ich zahlreiche Pflanzen feuchter Standorte und auf einer kleinen Halbinsel auch etwas Torfmoos.
Torfmoose sind die eigentlichen Torfbildner. Allerdings ist dies ein sehr langsam verlaufender Vorgang. Etwa 1.000 Jahre sind zur Bildung einer einen Meter starken Torfschicht erforderlich, d.h. die Torfschicht wächst pro Jahr nur um etwa einen Millimeter.
Torf ist daher ein wertvolles Naturprodukt, mit dem besonders sparsam umgegangen werden muss, denn auf eine Neubildung von Torf müssten wir wieder ein paar tausend Jahre warten.

© 2006 Werner Weiß




Presseecho

... In 15 Kapiteln werden 15 Gebiete der Stadt mit scheinbar allem dargestellt, was da kriecht, fliegt, krabbelt, wächst und schwimmt. Das Naturtagebuch ist ein echter Schmöker. Werner Weiß führt nicht nur Fakten auf. Er erzählt ... wie er zu seinen Fotos und zu seinen Beobachtungen gekommen ist. Er nimmt die Lesenden mit durch Neuberesinchen, rund um den Helenesee und an die Booßener Teiche. Da gibt es auch mal ein Märchen, das eine Pflanze, die Wegwarte, erklärt. Wassertropfen unterm Mikroskop, Pflanzen in Wegritzen, Rupfungen einer Elster (durch einen Räuber), Spuren von Muscheln auf Sandbänken der Oder, von Kartoffelkäfern auf abgefressenen Kartoffelfeldern – das alles ist in excellenten Fotos und detailreichen Beschreibungen festgehalten. Dem Lesenden bleibt das Staunen über den "Frankfurter Dschungel" und der Wunsch, ebenfalls auf die Pirsch zu gehen ...
Oderlandspiegel vom 23.12.2006 Artikel lesen


... "Das Naturtagebuch" ... gibt mit seinen 200 Seiten und 500 originalen Fotos auf anschauliche Weise einen Einblick in die schöne, vielgestaltige und artenreiche Natur des Stadtgebietes Frankfurt (Oder) und des Umlandes ...
Märkischer Sonntag vom 24.12.2006