Harald Büscher „Flussaufwärts“                                   




Harald Büscher, geboren 1948 in Seehausen (Altmark),
lebt in Müllrose im Land Brandenburg.



Harald Büscher




Seine Gedichte stellt er jetzt in dem Band "Flussaufwärts" der Öffentlichkeit vor.

Harald Büscher: Flussaufwärts. Gedichte. Format 11 x 18 cm,
Paperback, 96 Seiten
ISBN 978-3-9809931-08 Preis: 14,95 Euro


Leseprobe


Kindheit

Damals trieb mich der Durst
Aus dem Haus
Der Wind in den Linden
Am Ende der Straße
Waren Weiten.

Schleppte Wasser vom Brunnen
Der steht heute noch
Die ersten Tropfen leckte meine Katze
Sie folgte mir stets leichtfüßig
Nahm mir die Schwere der Last.




Vorm Winter

Überm Dach kränkelt die Sonne
Lichtscheu dem Winter entgegen
Im Vorhang aus Reif.

Wegabseits
Aus Buschwerk
Die hüpfenden Amseln
Vom Schlafrock befreit.

In Zweigen kahlen die Höhlen der Vögel
Verwaist auch die Schreie
Halten die Finger des Frostes
Nicht auf.




Fahrt nach Ischia – Oktober 97

Unwahr sind Worte
Auch Schwemmsand
Lauter Masken
Fallen beim Anblick der Küste
Ein stolzer Vesuv.

Ablandig strahlt die Bläue
Himmel und Wasser
Sind Mächte
Kindlich stelle ich Fragen
So schwerelos.




Das Wunder Deich
Oderbruch, am 30.Juli 97

Es schweigen die Glocken
Tausende schuften am Deich
Kraftlose Körper hocken
Das Ziel macht sie gleich.

Prozent so die Experten
Stunden Minuten bewerten
Die rasend vergehn.

Im Kampf gegen Zyklone
Erlischt trotzig die Kraft
Aus schwammiger Krone
Reißt längs er zum Schaft.

Verblutet in Nässe
Drei harren am Loch
Heldengeburt erahne
Die Höllen im Joch.

Lüfte zerspringen
Im Klang der Rotoren
Menschen erzwingen
Nie gebe verloren.

Randvolle Netze stopfen
Erdkalte Munde
Der Spalt voller Pfropfen
Übersteht Stunde um Stunde.

Der Tag geht glutrot
Der Nacht entgegen
Sterne verweben.

Die Nacht so der Tag
Das Wunder Deich
Im Fieber so wag
Für sie das Reich.




Märzens

Mücken tanzen mittags
Lächelt die Sonne Schneewiesen braun
Lauter Inseln
Aus Lust.

Bunte Sänger auf Zweigen
Rufen die Zeit aus
Vorm Frühling.

Ich schweige hinterm Glas
Ein Halten
Solange Eisblumen blühen.




Drei Männer

Drei Männer im Hafen
Hüten den Morgen der steigt
Aus meergrauem Munde
Die Stadt liegt verschlafen.

Schwarzblank aus tiefem Grund
Erbrechen Schollen Teufelsgebräu
Nach oben die Lava sein Mund
Ist heißblütig und ohne Reu.

Sechs Augen die Ruten die Floße im Blick
Keines schaut meerseits zum Himmelsbogen
Heute ihr Angler flieht euer Glück
Nördlich schieben und türmen die Wogen.

Die Zeit dreht durch mit Glockengeläut
Sonst friedliche Hunde verbellen die Zeit
Winseln laufen zum Strand
Noch halten sie stand.

Minuten Sekunden – vorbei
Haushohe Brecher erschlagen
Die Mole den Hafen die Drei
Und über dem Wellenkragen

Hinaus aufs offne Meergelände
Kauen und würgen die Wellen
Schlucken runter die Wände
Keine Macht kann sie stellen.

Grün umsäumt liegt die Küste
Pinienwind berauscht die Bay
Frauen weinen und jede wüsste
Wo sind die Seelen der Drei.




Februarmorgen

Die Luft steht still
Kein Fünkchen Hoffnung
Auch von der Birke nicht
Die steht Kopf über
Reisigbesen zu berichten
Das ist eine andere Geschichte.

Was für ein Morgen
Der so dahinlutscht
Krähenvögel ziehen vorüber
Und halten ihren Schnabel.




Glutland
Teneriffa

Ein Aufschrei am Atem der Welt
Feurigen Mächte erhoben dich
Glutland im Schmerz gewölbt
Dem Himmel entgegen.

Unterseeisch
Die prallen Bäuche stöhnen
Halbwach brodeln die Leiber
Den Morgen herauf.

Tagnah im Wechsel der Sterne
Wo Gischten die Ufer besteigen
Schwarzblank ist die Ödnis an Bayen
Im Aufzug der Segel.

Nur nordwärts
Unter des Schneebergs schützendem Kamm
Grünen tausend Maie hervor
Aus lächelndem Blau.




Hochsommer

Es brütet die Sonne
Auf Pflaster und Mauern
Windstille auch
Die Lüste nach dir.

Über Mittag kränkelt der Tag
Macht fiebrig die Hitze
Die Schreie der Segler
Solch Zeichen spült fort
Das Gewitter bei Nacht.





Hale-Bopp

Unter fernen Himmeln
Strömt mein Licht
Dir entgegen
Du Vagabund des Alls.

Nie war ich dir näher
Trotz endlosem Schweigen
Wehendes Gelock
Aus Gas und Eis.

Die Eishaut die du ankratzt
Voll sterblosem Glanz
Erhellt meinen Blick
Im Gebell der Geschichte.

Des Nachts
In Stunden des Schlafes
Werde ich aufgehen
Für den Ritterschlag
Der Zeit.

Hale Bopp – mein Freund
Ich zerdehne das Schweigen
Hin zum "Dreißigsten" Leben
Deiner Wiederkehr.     


© 2004 Harald Büscher




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