Das Kruzifixhäuschen

Das Kruzifixhäuschen stand außerhalb der Stadt an der Gabelung der alten Wege nach Müncheberg/Berlin und Lebus/Cüstrin; heute Göpelstraße/Herbert-Jensch-Straße. Die Kapelle wird wie folgt beschrieben: Der verputzte Backsteinbau erhebt sich über einem etwa ein Meter hohen, aus gespaltenen Feldsteinen unregelmäßig geschichteten Sockel. Von den Umfassungswänden wird nur die südliche von einer nach oben korbbogig abgeschlossenen Öffnung durchbrochen. Über dem Hauptgesims sitzt ein nach den vier Seiten abgewalmtes und auf der Firstmitte von einem einfachen, geschmiedeten Kreuz geschmücktes Ziegeldach. Im Inneren stehen zu beiden Seiten des barocken, annähernd lebensgroßen Kruzifixes die im Gegensatz zu dem Gekreuzigten etwas steifen, bäuerlich derben, jedoch entsprechend großen Gestalten der Maria und der Magdalena.

Die Kapelle bestand seit 1798. 1944 wurden die Sandsteinplastiken der Maria und der Maria Magdalena von der damaligen Stadtverwaltung sichergestellt – wohl im Lienau Museum in der Oderstraße. Seitdem sind die Figuren verschollen. 1952 wurden aus Spenden der St. Georg-Gemeinde die Schäden am Kruzifixhäuschen ausgebessert. 1962 wurde es aus verkehrstechnischen Gründen abgerissen und sollte ursprünglich an einem neuen Standort wieder errichtet werden.

Die erste schriftliche Erwähnung des Kruzifixhäuschens stammt von 1660. Diese Wegekapelle ist aber schon viel früher entstanden, vermutlich im Zusammenhang mit dem Georgenhospital bald nach der Stadtgründung. 1798 wurden durch Bürger der Stadt die Kosten für die Wiederherstellung der mittlerweile baufälligen Kapelle übernommen.

Die Wegekapelle war eine traditionelle Stätte der Andacht für die abreisenden und ankommenden Kaufleute und Bürger, die in Anbetracht der damaligen Gefahren einer Reise ihre Bitten bzw. ihren Dank Gott anbefahlen und ihre Gabe für die Armen des Spitals leisteten. Wohl hat auch mancher arme Sünder auf dem Wege zur Hinrichtung dort seine letzte Andacht gehalten. Frankfurt besaß in alter Zeit zwei Gerichtsstätten. Das Schafott, auf dem mit Beil und Schwert gerichtet wurde, stand unmittelbar südlich vor dem Kruzifixhäuschen und Galgen und Rad befanden sich nordwestlich, etwa auf dem Gelände der späteren Köhlmannschen Fabrik. Diese Nähe zum Schafott ist die wahrscheinlichste Begründung für die ursprüngliche Errichtung des Kruzifixes an jener Stelle.
Das Kruzifix ist heute im Museum Viadrina zu sehen.
Heinz Pohle, Frankfurter Jahrbuch 1996/97





 
 
Hausnamen und Hausschilder

In den mittelalterlichen Städten gehörten zum äußeren Schmuck vieler Häuser die Wahrzeichen, die zunächst als einfache Bemalung an Fensterluken oder in Türnähe sichtbar waren. Besonders bei Gasthöfen und Apotheken haben sie sich lange erhalten. Der des Lesens Unkundige sollte mit einem Blicke erfassen können, welches Handwerk hier ausgeübt wird.
In der Stadt Frankfurt (Oder) war neben Handel und Gewerbe das Brauwesen einer bedeutendsten ökonomischen Faktoren. Bier war, neben Getreide, ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Nach der zweiten Hälfte des 16. bis in das 17. Jh. wurde in etwa 100 Häusern Bier gebraut.

Die Vielfältigkeit der Hausnamen widerspiegelte sich in den Hausschildern, die den Eingang schmückten. Die Mehrzahl der Bezeichnungen waren Tiernamen, wie Ross, z. B. Fliegendes Ross (Richtstraße) und Goldenes Ross, (Rossmarkt). Auch den Hirsch gab es u. a. als Weißer Hirsch (Richtstraße), Brauner Hirsch (Bischofstraße) oder Goldener Hirsch (Crossener Straße). Außerdem gab es Namen wie Walfisch, Elefant und andere.

Die ältesten Gasthöfe waren nach dem Löwen und dem Adler bezeichnet: Zum Goldenen Löwen, 1601, am östlichen Oderufer, der späteren Crossener Straße, und der Schwarze Adler, 16. Jh., Große Oderstraße. Es wurden auch Symbole aus der christlichen Mythologie verwendet. So u.a. der Goldene Engel in der Tuchmacherstraße und das Goldene Lamm in der Breiten Straße.

Eine besondere Gruppe von Hauszeichen stellten die Wahrzeichen dar, die mit der Zahl Drei bezeichnet waren, z. B. Drei Berge (Richtstraße), Drei Kronen (Oderstraße) oder Drei Rosen (Richtstraße). Die Drei wurde als heilige Zahl angesehen, der man allgemein eine hohe Bedeutung und einen geheimen Zauber beilegte.

Motive aus Handel und Handwerk geben Auskunft über den ursprünglichen Charakter des Hauses. Der Name des Gasthofes Zur Schere (Tuchmacherstraße), deutet auf einen ehemaligen Tuchmacher hin. Weitere Berufe ausdrückende Symbole sind Schiffe, Anker und Fische: Blauer Anker (Tuchmacherstraße), der Blaue Hecht, (Schmalzgasse). Die hinzugefügte Farbbezeichnung "Blau" sollte Erfolg in Handel und Fischfang garantieren. Eine Frankfurter Besonderheit bilden die Häuser der Fischermeister, die spätestens ab dem 19. Jh. über ihrem Hauseingang einen bemalten plastischen Karpfen anbrachten.

Auch Symbole, die mit Golden besonders hervorgehoben wurden, waren beliebt: Goldene Kugel (Bischofstraße) oder Goldene Sonne (Oderstraße), der Juristenstammtisch.
Gasthofnamen, wie Danziger Wappen (Collegienstraße), Magdeburger Wappen (Richtstraße) und Breslauer Wappen (Breite Straße) weisen auf den Frankfurter Fernhandel hin.

Die Wahrzeichen Apotheken sind vor allem Tiersymbole, die aus Wundersagen oder biblischen Gleichnisbildern stammen. Die älteste Frankfurter Apotheke erhielt den Namen Adler-Apotheke. 1684 erhielt die Einhorn-Apotheke in der Großen Scharrnstraße ihr königliches Privileg. Die Löwen-Apotheke (Oderstraße) ist die einzige, deren ursprüngliche Wirkungsstätte unversehrt geblieben ist und noch heute besteht.
Brigitte Brisch, Frankfurter Jahrbuch 2000



 
 
100 Jahre Postgebäude

Manfred Mittelstedt, Frankfurter Jahrbuch 2003/04






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